„Rida“ oder die freudvolle Unterwerfung unter Seinen Willen 1-2

Imam al-Ghazali.

RIDA ist die Quintessenz der Liebe und eine der höchsten Stufen unter den wenigen der bevorzugten. Doch einige zweifeln an ihrer Existenz indem sie sagen: „Wie kann ein Mensch sich an etwas erfreuen, was gegen seinen Willen ist? Er mag sich zwar dem Willen Gottes unterwerfen, aber daraus folgt nicht, dass er damit das Gefühl der Freude verbindet.“

Wir werden die Natur von Rida untersuchen und ihre Existenz beweisen. Wenden wir uns zuerst Qur’an und Hadith zu.

Allah hat den gläubigen Männern und den gläubigen Frauen verheißen, immerdar in Gärten zu verweilen, die von Bächen durchflossen werden, und (Er hat ihnen) herrliche Wohnstätten in den Gärten von Eden (verheißen). Allahs Wohlgefallen aber ist noch größer. Das ist der gewaltige Gewinn. [9:72]

In diesem Abschnitt wird das Wohlgefallen Gottes (Ridwan) als die allergrößte Segnung und der gewaltigste Gewinn beschrieben. In einem weiteren Abschnitt wird dieser Segen auch jenen verheißen, die sich freiwillig Seinem Willen ergeben.

Allah ist mit ihnen wohlzufrieden und sie sind wohlzufrieden mit Ihm. Dies ist für den, der seinen Herrn fürchtet. [98:8]

„Wer Ehrfurcht vor dem Gütigen Gott im Geheimen hegt und ein bußfertiges Herz an den Tag legt, wird es (das Paradies) betreten – dies ist der Tag des ewigen Verweilens. Darin werden sie haben, was sie sich wünschen und mit Uns ist noch mehr.“ Einige Kommentatoren des kursiv Geschriebenen sagen, dass drei Geschenke im Paradies gemacht werden.

a.)    ein seltenes, verborgenes Geschenk, von welchem „keine weltliche Seele“ auch nur die geringste Ahnung hat, und welches ihre Augen erfrischen wird. „Doch niemand weiß, welche Augenweide für sie als Lohn für ihre Taten verborgen ist.“ [32:17]

b.)    Ein Gruß, wie er im Qur’an erwähnt ist. "Frieden!" - (dies ist) eine Botschaft von einem Sich Erbarmenden Herrn. [36:58]

c.)    Seine Göttliche Güte und Wohlgefallen, wie dies erwähnt ist: „wa Ridwanum minallahi akbar“ („… und besser als alles ist das Göttliche Wohlgefallen Allahs“)

Einmal fragte der Prophet einige seiner Gefährten nach den Zeichen des Glaubens, welchen sie bekundeten. „O Gesandter Gottes“, sagten die Gefährten, „wir sind geduldig im Leid, dankbar im Glück und zufrieden mit unserem Schicksal.“ „Wahrlich, ihr seid Muslime“, sagte der Prophet. Auch sagte der Prophet: „O ihr, die ihr arm seid, seid zufrieden mit dem, was Gott für euch bereitet hat, dann werdet ihr euren Lohn erhalten.“

Wollen wir uns jetzt die Natur von Rida näher ansehen. Jene die behaupten Rida gäbe es gar nicht, da der Mensch zwar geduldig im Leid sein könne, aber die freudige Ergebung in Seinen Willen unmöglich wäre, leugnen die Existenz der Liebe und ihre verzehrende Natur. Ein Liebender liebt immer die Handlungen seines Geliebten. Diese Liebe der Handlungen ist von zweierlei Art:

1. Die Erlösung von Erfahrung des Leids welches durch physischen oder psychischen Schmerz verursacht wird.

Die Erfahrung zeigt, dass viele Krieger in ihrer Raserei den Schmerz ihrer Wunden gar nicht fühlen und sie die Verletzung erst bemerken, wenn sie das Blut daraus hervorquellen sehen. Auch wenn der Mensch ganz intensiv mit etwas beschäftigt ist, was seine ganze Aufmerksamkeit beansprucht, wird er den Schmerz eines ihn stechenden Dorns gar nicht bemerken. Wenn in solchen Fällen, und solche gibt es eine Menge, Schmerz nicht empfunden wird, ist es dann nicht möglich, dass ein Ihm Ergebener den Schmerz nicht fühlt, welcher ihm von Seinem Geliebten in seinem Glauben zugefügt wird?

2. Auch wenn der Schmerz empfunden wird, wird dennoch nach diesem verlangt, geradeso wie ein zu operierender Patient nach dem Skalpell verlangt, auch wenn er das Schneiden des Chirurgen nicht wirklich liebt. Gleiches trifft auf jenen zu, der fest glaubt, dass die von Gott zugefügte Leiden, gleichsam von Gott geschickte Heilmittel sind, und daher über diese erfreut und Gott dafür dankbar ist.

Jeder, der über die oben erwähnten Arten der Natur der Liebe nachdenkt, und dann in diesem Lichte die Erzählungen und Geschichten der Gottesliebenden liest, wird, so glaube ich, von der Existenz von Rida überzeugt sein.

Der geheiligte Basher, Sohn des Harith erzählte folgende Geschichte: „In der Shakira Straße in Bagdad sah ich einen Mann, wie er 1000 Peitschenhiebe empfing, doch schrie er nicht ein bisschen in seiner Qual. Als er dann ins Gefängnis verbracht wurde folgte ich ihm. „Warum wurdest du so umbarmherzig bestraft?“ fragte ich ihn. „Weil sie das Geheimnis meiner Liebe entdeckt haben“, war seine Antwort. „Warum warst du aber dann so unheimlich still, als du so streng bestrafst wurdest?“ fragte ich verwundert. „Weil“, so antwortete der arme Kerl mit einem Seufzen, „sie vom Balkon auf mich herabsah.“ „O, mögest du nur den wahren Geliebten erblicken“, murmelte ich. Als er dies hörte, verließ die Farbe sein Gesicht und mit einem lauten Schrei fiel er tot zu Boden.“

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