Die Barmherzigkeit und die Fürsorge Gottes erfordern die Wiederauferstehung

M. Fethullah Gülen.

Die Barmherzigkeit und die Fürsorge Gottes heilen Wunden, gekränkte Herzen und verletzte Gefühle. Sie sind es, die einen Patienten gesund werden lassen, die die Leiden des Abschieds stoppen und Schmerzen und Sorgen in Freude und Heiterkeit verwandeln. Sie kommen Menschen und Tieren in allen Lebensabschnitten und insbesondere vor und nach der Geburt zu Hilfe. Die Mutterleibe der Tiere und Menschen sind behütete Aufenthaltsorte, in denen die jungen Geschöpfe ernährt werden, ohne dass sie selbst zu ihrem Lebensunterhalt beitragen müssten. Nach der Geburt stellen die Barmherzigkeit und die Fürsorge Gottes diesen jungen Geschöpfen mit der Muttermilch die beste Nahrung und die fürsorglichen Gefühle ihrer Eltern bereit. All diese Dinge sind eine einzige Manifestation der Barmherzigkeit und der Fürsorge Gottes.

Die Barmherzigkeit und die Fürsorge Gottes umfassen zwar das ganze Universum, aber in der Welt begegnen wir Wunden und verletzten Gefühlen, unheilbaren Krankheiten, Hunger, Durst und Armut. Warum? Die Antwort liegt auch hier in der Tatsache begründet, dass diese materielle Welt nicht in der Lage ist, alle Manifestationen der Barmherzigkeit und der Fürsorge Gottes zu empfangen. Unser Unvermögen, unsere Ungerechtigkeit gegenüber unseren Mitmenschen und unser Missbrauch unserer angeborenen Fähigkeiten treten zwischen uns und die Manifestationen der Barmherzigkeit und der Fürsorge Gottes. Vor allem aber müssen alle Lebewesen sterben; und unsere Trauer angesichts dieser Realität lässt sich nur mit dem Glauben an eine andere, ewige Welt überwinden.

Als der Gesandte Gottes einmal in der Moschee saß, wurden einige Kriegsgefangene zu ihm gebracht. Eine Frau, die in großer Sorge nach jemandem suchte, zog die Aufmerksamkeit des Propheten auf sich. Jeden Jungen, den sie sah, drückte sie an ihre Brust und ließ ihn dann wieder los. Als sie ihren Sohn schließlich fand, umarmte sie ihn, drückte auch ihn an ihre Brust und liebkoste ihn liebevoll. Da brach der Gesandte in Tränen aus. Er zeigte auf die Frau und fragte seine Gefährten:

Seht ihr die Frau? Wirft sie das Kind in ihren Armen in die Hölle? „Nein", antworteten die Gefährten, und der Gesandte fuhr fort: Gott ist noch mitfühlender als diese Frau. Er wirft Seine Diener nicht in die Hölle [es sei denn, die Diener verdienten es absolut nicht anders].[1]

Die Barmherzigkeit und die Fürsorge Gottes werden sich in der kommenden Welt in vollem Umfang manifestieren; denn in jener Welt gibt es keine Vermittlung, keine Trauer und keinen Schmerz.


[1] Bukhari, Adab, 18; Muslim, Tauba, 22

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