Die diesseitige Welt kann den wahren Wert des Menschen gar nicht ermessen
Obwohl wir nur über einen winzigen physischen Körper verfügen, erlauben uns unsere geistigen und spirituellen Fähigkeiten, das gesamte Universum zu umarmen. Unsere Handlungen sind sich nicht allein auf die sichtbare Welt beschränkt und daher auch nicht den Schranken von Raum und Zeit unterworfen. Der Mensch besitzt ein so universelles Wesen, dass sich die Handlungen des ersten Menschen auch noch auf den Charakter des letzten Menschen, ja sogar auf die Gesamtheit der Existenz auswirken. Den Menschen auf eine physische Einheit, auf einen sehr kurzen Zeitabschnitt oder auf einen begrenzten Bereich des Raumes zu beschränken (wie es die Materialisten tun), enthüllt eine völlige Fehleinschätzung und ein falsches Verständnis dessen, was uns ausmacht.
Die Waagen dieser Welt können weder den intellektuellen und spirituellen Wert der Propheten und deren Leistungen noch das Ausmaß der von Verbrechern wie Pharao, Nero, Hitler, Stalin und anderen verursachten Zerstörungen auswiegen. Auch das Gewicht des wahren Wertes eines aufrichtigen Glaubens und moralischer Qualitäten können sie nicht bemessen. Womit könnte man denn auch einen Märtyrer angemessen entschädigen, der alles, was er besitzt, um der Sache Gottes willen, für seine Mitmenschen oder für universelle menschliche Werte wie Gerechtigkeit und Wahrheitstreue opfert? Womit könnte man denn einen gläubigen Wissenschaftler bezahlen, dessen pflichtbewusste Forschung eine Erfindung hervorgebracht hat, aus der die ganze Menschheit bis zum letzten Tag Nutzen ziehen wird? Nur die Waagen der anderen Welt, die sogar auf das Gewicht eines Atoms an Gutem und auf das Gewicht eines Atoms an Schlechtem reagieren, sind dazu in der Lage.
Und Wir werden Waagen der Gerechtigkeit für den Tag der Auferstehung aufstellen, sodass keine Seele in irgendeiner Weise Unrecht erleiden wird. Und wäre es das Gewicht eines Senfkorns, Wir würden es hervorbringen. Und Wir genügen als Rechner. (21:47)
Selbst wenn es nichts anderes gäbe, was eine Wiederauferstehung erforderlich machen würde, würde allein die Erfordernis, dass die Taten der Menschen ausgewogen werden, ein unendlich gerechtes und sensibles Gleichgewicht hervorbringen.
Alle Handlungen Gottes dienen einem Zweck, manche auch mehreren Zwecken. Deshalb erfordert Seine universelle Weisheit die Wiederauferstehung. Wenn dies nicht so wäre, müssten wir uns u.a. mit folgenden Fragen auseinandersetzen: Der Majestätische Eine manifestiert Seine Souveränität als Herrscher in der im Universum von den Atomen bis hin zu den Galaxien bestehenden Ordnung, Zweckgebundenheit, Gerechtigkeit und Ausgeglichenheit. Wie könnte Er sich da gegenüber Gläubigen, die den Schutz Seiner Herrschaft und Souveränität suchen, die an Seine Weisheit und Gerechtigkeit glauben und Ihm gehorchen, indem sie ihn anbeten, nicht erkenntlich zeigen? Würde Er es zulassen, dass jene Unbesonnenen, die Seine Weisheit und Gerechtigkeit leugnen, sich gegen Ihn auflehnen und Ihn leugnen, ungeschoren davonkommen? Weil in dieser vergänglichen Welt kaum ein Tausendstel Seiner Weisheit und Gerechtigkeit gegenüber den Menschen etabliert ist, verlassen die meisten der Fehlgeleiteten diese Welt unbestraft; und die meisten der Rechtgeleiteten sterben, ohne belohnt worden zu sein. Die Gerechtigkeit Gottes ist notwendigerweise einem Obersten Gerichtshof übertragen worden, der jeden einzelnen Menschen belohnen oder bestrafen wird.
Natürlich wird der Eine, der unsere Welt beherrscht, unendlich weise urteilen. Man schaue sich doch nur einmal an, wie sich Nutzen und Vorzüge aller Dinge manifestieren. Jede Gliedmaße, jeder Knochen und jede Vene des Menschen, jede Gehirnzelle und jedes Zellteilchen dient vielen weisen Zwecken. Diese Tatsache bestätigt, dass alles in Übereinstimmung mit einer unendlichen Weisheit geplant und ausgeführt wird. Die absolute Ordnung, die der Gestaltung aller Dinge zu Grunde liegt, ist ein weiterer Beweis. Kurzum: Wir, die Menschen, wurden zu universellen Zwecken erschaffen. Dies unterstreicht auch der Koran:
„Glaubtet ihr denn, Wir hätten euch in Sinnlosigkeit erschaffen, und ihr würdet nicht zu Uns zurückgebracht?" Darum ist Allah, der Wahre König, hoch erhaben. Es ist kein Gott außer Ihm, dem Herrn des Würdigen Throns. (23:115-116)
Der Mensch ist somit nicht aus bloßer Spielerei oder zum Scherz erschaffen worden. Das Grab, die ewige Nichtexistenz, ist nicht sein endgültiges Schicksal. Der Mensch ist für ein anderes, ewiges Leben erschaffen worden, das aus all seinen Handlungen für ihn bereitet wird - für eine Welt, die entweder voller ewiger Schönheiten und Segnungen oder voller Schlechtigkeiten und Niederträchtigkeiten stecken wird.